Betriebskosten – Das leidige Thema

Wie jedes Jahr zum Sommerende kommt die Betriebskostenabrechnung vom Vermieter. Durch Funk und Presse ist man ja glücklicherweise rechtzeitig über mögliche unangenehme Überraschungen gewarnt wurden. Wie fast immer sind an den steigenden Heizkosten die ach so langen, kalten Winter schuld. So auch bei der diesjährigen Abrechnung von 2010.  Im Frühjahr hieß es noch das die Abrechnungen bis zu  25% höher als noch 2009 ausfallen könnten und da war es schon richtig lange kalt. Glücklicherweise bzw. eigenartigerweise lag meine Heizkostenabrechnung um 5 % unter der von 2009.

Am 07.September 2011 lass ich dann ein Artikel in der Märkischen Oderzeitung (MOZ), Datenbank der zweiten Miete.  Demnach soll laut der Preisdatenbank 2011 des Verbandes Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) der Gaspreis in Eisenhüttenstadt um 15 % gestiegen sein. Die beiden großen Eisenhüttenstädter Wohnungsunternehmen konnten dies nur teilweise bestätigen, obwohl beide der Preisdatenbank Daten zukommen lassen. Das dürfte wohl auch auf die vielen verschieden Heizungsmodelle zurückzuführen sein, die es in der Stadt gibt. Jedenfalls ist laut einer Vergleichstabelle mit anderen Brandenburger Städten Eisenhüttenstadt im Durchschnitt beim Erdgas mit 55,43€ je MWh einer der preiswerteren Städte des Jahres 2010.  Laut der Preisdatenbanken der Vorjahre waren es 2007 – 57€, 2008 – 67,22€ und 2009 – 48,20€. Der Gaspreis pro MWh eines Durchschnittshaushalt in der BBU Preisdatenbank ist also seit 2007 sogar um ganze 1,57€ gesunken. Von 2008 stieg er stark an um 2009 um 28% zu sinken um nun wieder um 15% anzusteigen Wir vergessen schnell mal die Vorjahre, denn 15% Steigerung machen sich doch viel besser, Hallo 15% teurer, das sollte doch die Leute wachrütteln.

Ich wohne im Eisenhüttenstädter Flächendenkmal in einen sanierten Wohnblock, 4 Aufgänge a 11-12 Mieter, ungedämmt zwar wegen dem Denkmalschutz, aber 60cm Außenwand das hält schon was ab. Irgendwie passen eine um 5% gesunkene Heizkostenabrechnung, ein langer kalter Winter und um 15% gestiegene Gaspreise nicht so richtig zusammen. Also nahm ich meine letzten 10 Abrechnungen und rechnete meinen Aufgang (11 Wohneinheiten) durch. Von 2001 bis 2003 sank der reine Gaspreis je MWh von knapp 50€ auf 44€ um dann bis 2005 auf 53,50€ zu steigen. 2006 bis 2008 pegelte er sich auf 60€ ein lag 2009 bei 64€ . Und 2010 sank er auf 52€, also fast wie in dieser Datenbank. Für uns als Mieter kommen zu diesen Preis aber noch nicht gerade geringe Nebenkosten von ca. 20% wie Verbrauchserfassung / Gerätemiete / Betriebsstrom hinzu. So schaut das dann bereinigt aus: Von 2001 bis 2003 sank Preis incl. diverser Nebenkosten je MWh von 61€ auf 54€ um dann bis 2005 auf 66€ zu steigen. 2006 bis 2008 pegelte er sich auf 75€ ein lag 2009 bei 79€ . Und 2010 sank er auf 64€.  Nimmt man aber nur den reinen Gaspreis kann ich 2010 für meinen Wohnblock gegenüber dem Jahr 2001 nur eine sehr geringe Erhöhung erkennen. Bis auf die letzten 4 deutlich teureren Jahre lag der Gaspreis je MWh in etwa gleich oder lag darunter, was einen 10 Jahresschnitt von 53,60€ ergibt.
Alles in allem ergibt dies 2010 eine Preissteigerung gegenüber 2001 von 5,2%. Noch ein Jahr davor lag die Preissteigerung jedoch gegenüber 2001 bei 28,7%! Die Zahlen kann sich halt jeder so drehen wie er es gerade braucht und einige können dies ja schon geradezu Perfekt.
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Die Tendenz der letzten Jahre deutet aber eher auf eine weitere leichte Steigerung der Heizkosten hin. Ähnlich geht es bei den Wasser- und Müllkosten zu, Strom  mit seinen mehr als 100%+ lass ich mal lieber außen vor. Die Wasserkosten erhöhten sich die letzten 10 Jahre um 20-30%, während die Müllkosten sich ständig im 10% Bereich hin und herbewegen. Aber das ist ja eh alles Gott / Konzern / Politik gegeben, da könnte man als Bürger nur in einer richtigen Demokratie mitreden.

Aber der letzte Satz in dem MOZ-Artikel dürfte viele Mieter unsanierter Wohnblöcke das Herz höher schlagen lassen und erklärt auch die 15% Meldung. Zitat: “… Nur über Einsparungen an Betriebskosten können wir den Preiserhöhungen begegnen. Nicht zuletzt deshalb werden Gebäude auch saniert und modernisiert.”  Wahnsinn, da spart der Mieter eventuell mögliche 50% Heizkosten ein um im Gegenzug 100 und mehr € Kaltmieterhöhung drauf geknallt zu bekommen, na wenn das kein Grund zur Freude an der schönen sanierten Wohnung ist. Nur früher oder später wird diese kleine Ersparnis von der Preisentwicklung eingeholt, die Kaltmieterhöhung bleibt aber. Die wollen schließlich alle am Gas, Wasser, Strom und Müll verdienen.

Und nein, ich habe nichts gegen Sanierungen die gut ausgeführt werden. Eisenhüttenstadt kommt mir zumindest in diesen Bereich wie ein Versuchslabor vor. Jeder neue Sanierung wird insbesondere lüftungs- und heizungstechnisch mal etwas anderes versucht. Vermutlich um dem Schimmel entgegenzuwirken die die sich im ganzen Stadtgebiet tummelt. Ständig sieht man im Stadtgebiet an vor einigen Jahren bereits sanierten Gebäuden erneut Gerüste stehen. Da fragt man sich wirklich ob da immer Fachkräfte am werkeln waren oder einfach nur billiges Zeug verbaut wurde. Was sich wirklich schnell ändern muss, ist das die Sanierungskosten trotz oft umfangreicher Fördermittel immer nur an die Mieter weitergegeben werden. 500€ Warmmieten für kleine sanierte 2-Raumwohnungen sind schon echt heftig, wohl dem der gut bezahlte Arbeit oder gute Rente hat. Aber wir können als Bürger ja eh wenig machen…

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