Mindestlohn…

Jeder zehnte Deutsche ist auf Transferleistungen angewiesen. Nur noch 60% aller Beschäftigten sind in einen unbefristeten Vollzeitjob tätig, die andern 40% sind befristete Stellen, Leiharbeiter, Teilzeitkräfte, Beschäftigte im Niedriglohnbereich, Ein-Euro- und Mini-Jobber die alle mehr schlecht als recht über die Runden kommen. Und genau dort sank die letzten Jahre das Realeinkommen teilweise bis zu 20%. Einzig in den Branchen wo die großen Gewerkschaften noch ein wenig mitbestimmen konnten gab es geringe Erhöhungen. Aber gerade so viel das ja keiner auf dumme Gedanken kommt und das Schauspiel der Tarifverhandlungen hinterfragt. Der DGB in seiner jetzigen Form scheint kein Interesse an richtig kämpferischen Gewerkschaftlern und schon gar nicht an einen Generalstreik zu haben, denn dort muss alles schön nach „demokratischen“ genormten Regeln und in gelenkten Bahnen ablaufen.

Wohin uns diese Politik der ständigen Lohnzurückhaltung und der geringen Gegenwehr gegen die Agenda 2010 gebracht hat sehen wir spätestens jetzt. Die Schotte sind auf und so wird uns seit Jahren, einer tibetanischen Gebetsmühle gleich, das Mantra von den hohen Löhnen, den unflexiblen Arbeitern, schlechten PISA-Studien und diverser demographischer Blödsinn vorgebetet. Und über allem schwebt die ständigen Drohung der großen Konzerne man müsse sonst in Osteuropa, Indien oder China produzieren um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wettbewerbsfähig um auch ja den 30% Gewinn ihrer Aktionäre zu sichern…

Es geht nur noch um Gewinnmaximierung und dabei zählt der einzelne Mensch nur noch als Kostenfaktor. Der Sklavenmarkt ist in Deutschland schon längst angekommen. Mittels gewollt löchriger Gesetze und Millionenzuschüssen wird er zudem noch staatlich gefördert. Einen flächendeckenden Mindestlohn wollen derzeit fast 80% der Bevölkerung, aber was ist die Antwort dieser Regierung? Ein erneuter Flickenteppich von undurchschaubaren Einzeltarifen, welche die Tarifparteien aushandeln sollen. Ich frage mich nur wer damit gemeint ist, gerade im Niedriglohnbereich tummeln sich doch wenn überhaupt nur Pseudo-Gewerkschaften und die so genannten etablierten Gewerkschaften segnen dann diese Verhandlungsergebnisse indirekt mit ab.

Der Mindestlohn soll eigentlich das Mindeste sein was ein Mensch für seine Arbeit erhält. Über diese Höhe mag man sich gerne streiten, aber man kann einige Dinge zur Berechnung heranziehen. So z.B. die Pfändungsfreigrenze, diese liegt seit 01.Juli 2011 bei 1029,99 € Netto. Ebenso könnte man die zu erwartende Rente berücksichtigen, diese läge bei 45 Arbeitsjahren und ca. 10€ Brutto immerhin gerade knapp über dem Sozialhilfesatz. Was somit bedeutet das derzeit 40% der arbeitenden Bevölkerung einmal eine Armutsrente bekommen! Und privat vorsorgen geht oft finanziell nicht und Riester- und Rürup-Rente sind reine Geschenke an die Versicherungsindustrie.

Dummerweise unterstützen genau die, die es eigentlich nötig hätten ans Alter zu denken, indirekt das bestehende System. Das ist auch alles nachvollziehbar, es soll einen ja mal besser gehen, vielleicht werde ich ja auch übernommen und bekomme mehr Geld. Es wird tausend Gründe geben solche Jobs zu machen. Solange aber genügend Jobs im Niedriglohnbereich nachgefragt werden ist die Welt der uns regierenden doch in Ordnung und bestätigt sie immer so weiter zu machen.

Es wird endlich Zeit einen flächendeckenden, die eigene Existenz und die Zukunft sichernden Mindestlohn einzufordern. Ob 8,50€ dazu ausreichen mag stark bezweifelt werden. Ebenso ist dringend zu klären was man existenziell den derzeit 10% Transferleistungsempfängern zugestehen will, denn wenn es so weiter geht werden es allein wegen den Armutsrenten bald 20% und mehr werden. Die derzeitige Umsetzung nach dem Bundesverfassungsgerichts Urteil ist gelinde gesagt ein Hohn.

Aber vielleicht geht das alles nicht mehr lange so weiter und man muss sich über all das gar nicht mehr den Kopf zerbrechen…

Ein Gedanke zu “Mindestlohn…

  1. es verbietet sich geradezu bei der diskussion über mindstlohn den betrag von 8,50€ als relevant erscheinen zu lassen.
    dieser betrag befindet sich außerhalb jedweder diskussion.
    ein mindestlohn setzt bei der aller untersten denkbaren grenze an: das ist, so sei behauptet, 10€ netto – aber eigentlich selbstverständlich höher.

    erst bei 9,40 wird die armutgrenze überschritten – könnte das ein richtwert sein? nein, natürlich nicht!

    10% der bevölkerung sind im besitzt von von zweidrittel des nettoprivatvermögens.
    30% sogar von 90%.
    die gelder sind definitiv da – sie müssen nur gerecht verteilt werden.
    denn umgekehrt besitzen 30% der bevölkerung blankes nichts.
    und 10% haben sogar auch noch schulden an die reichen.
    durchschnittlich aber, wenn man die statistische streuung herausrechnet, ist jeder bürger 90€ reich.

    es ist schon pervers.

    http://www.potsdamergegenhartz.de

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